Günther Friesinger (A) et al.

ÜBER UNSERE KURZE, ABER INTENSIVE
ZUKUNFT ALS CYBORGS

ARGEkultur, Saal | Eintritt frei

Vortrag: Günther Friesinger & Diskussion mit den Artists des digital spring festival Openings: APNOA (Sebastian Drack & Tobias Feldmeier), Astrit Ismaili, Robert B. Lisek , Miriam Schmidtke & Jeff Thompson.
In englischer Sprache.

Der Figur des Cyborgs wohnt ein vielschichtiges Potential inne: Als Phantasiefigur oder Vision der Science-Fiction, aber auch als realistisches Konstrukt zukünftiger, transhumanistischer Körper-Entwürfe sind ihr politische und soziale Codes eingeschrieben. In medialen Repräsentationen reicht die Darstellung hybrider Mensch-Maschine-Entwürfe von monströsen und verstörenden bis hin zu kraftvollen oder auch sympathischen Figuren. Nicht selten zeigt sich hier durch den Einblick in ihre Konstruktionsprozesse eine gesellschaftliche Korrekturfunktion, wenn die Grenzen unserer körperlichen Fähigkeiten oder auch Geschlechter überwunden werden können. Der Cyborg regt unsere Vorstellungen von einer „besseren Hülle“ und damit auch Phantasien von einem perfekt ausgestatteten Körper an – einem Körper, der in Bezug auf gesellschaftliche Rollen oder Gender-Stereotype in Zukunft vielleicht anders kodiert sein könnte. Auch in Science-Fiction und Filmgeschichte verändern sich die Interpretationen human-maschineller Hyride entlang realer, sozialer Rollen, auch wenn die Realität der Vision oft noch hinterherhinkt. Nicht zuletzt, weil wir uns mit dieser noch nicht vollständig identifizieren können – auch wenn Kunst und Kultur mehr denn je mit transhumanistischen (Selbst-)Entwürfen spielen und sogar das Zeitalter des „Post(-Post)-Cyborg“ ausrufen. Unklar sind auch die ethischen Implikationen der vermehrten Akzeptanz von Mensch-Maschine-Schnittstellen, wie dies z.B. im Bereich der Neuroprothetik evident wird. Dass SportlerInnen aufgrund besonders gut funktionierender Prothesen noch nicht zum olympischen Wettkampf antreten dürfen, zeigt beispielhaft die Distanz, die wir nach wie vor zu diesen hybriden Körperentwürfen einnehmen. Wollen wir – zumindest vorläufig – also noch gar kein Cyborg sein?

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© Bergschaf Sasha Pseiner

Günther Friesinger ist Künstler, Philosoph, Kurator und Produzent. Er ist Geschäftsführer von monochrom, Chairman des Quartiers für Digitale Kunst und Kultur im Museumsquartier, Leiter des paraflows Festivals und Produzent des Roboexotica Festivals. Friesinger lehrt Kulturmanagement, Produktion, Social Media und Ausstellungsdramaturgie an verschiedenen Universitäten in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Schwerpunkte der letzten Jahre: Open Culture, Context Hacking, Hackerspaces und Robotik.

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