Sind wir nicht alle ein bisschen Cyborg?

Vom Herzschrittmacher zur via Laser-OP verbesserten Sehfähigkeit, vom besseren Ich in sozialen Medien bis zu gechippten MitarbeiterInnen, vom Bordcomputer über Hörimplantate bis zur Prothese – man muss nicht gleich der Terminator sein, um zu erkennen, dass wir uns alle Stück für Stück Richtung Mensch-Maschine entwickeln. Egal ob es darum geht, vermeintlich Kranke oder angeblich Gesunde mit Funktionen auszustatten, die sie vorher nicht hatten – sollten nicht alle das Recht haben, ihre Körper so zu modifizieren, wie sie möchten? Oder hat damit der Kapitalismus im Sinne der Selbstoptimierung endgültig auf allen Ebenen des Seins gesiegt? Bis zu welchem Grad kontrollieren wir die Technik, und ab wann kontrolliert sie uns? Diese Fragen gehören nicht ins Feld der Science-Fiction, sondern beschäftigen uns ganz real seit fast 100 Jahren. Der Biologe Julian Huxley hat in den 1920ern als Erster ein vollständig transhumanistisches Ideensystem entwickelt, das durch Technologie und Fortschritt zur endgültigen Überwindung des Menschen als gebrechliches Wesen beitragen sollte. Nicht unerwähnt bleiben darf hier, dass Huxley ein Vertreter der Eugenik war, womit eine weitere Schattenseite dieser Entwicklung deutlich wird. Andererseits prophezeien radikale TranshumanistInnen nichts weniger als die digitale Unsterblichkeit. So soll es uns künftig gelingen, die Einheit von Körper und Geist vollständig aufzulösen und unsere Fähigkeiten und unsere Persönlichkeit zu digitalisieren. Ein Backup vom Ich.

Nach der ersten, erfolgreichen Ausgabe des digital spring 2016 setzt sich das biennale Medienkunstfestival 2018 mit der posthumanen Zukunft des Menschen und mit seiner zunehmenden Verschmelzung mit Maschinen auseinander. Über diskursive wie künstlerische Programmpunkte werden Chancen und Risiken, welche der Transhumanismus für die Gesellschaft birgt, erforscht und präsentiert.
Ende November wählte die Jury (Cornelia Anhaus, Festivalleitung digital spring | Séamus Kealy, Direktor Salzburger Kunstverein | Martin Murer, Senior Scientist, Center for Human-Computer Interaction, Universität Salzburg | Marius Schebella, Vereinsobmann subnet & Researcher MultiMediaArt, FH Salzburg) aus 34 internationalen Einreichungen zehn plus eins Projekte aus, die sich mit den Entwicklungen und Konsequenzen dieser Zukunftsperspektiven beschäftigen.
Erstmals erfolgte im Rahmen des Open Call auch die Ausschreibung eines Arbeitsstipendiums des Landes Salzburg für Medienkunst, welches von der Jury an das Duo APNOA (Sebastian Drack und Tobias Feldmeier) vergeben wurde.

Das Festivalteam und die KünstlerInnen laden mit dem heurigen Motto für einen kompakten Zeitraum von sechs Tagen auf kluge wie humorvolle, innovative wie beeindruckende, poetische und ästhetische Weise ein, die eigenen Grenzen zu überwinden und die Sinne zu erweitern, sowohl mental als auch physisch.
Load up your mind and the rest will follow – willkommen beim zweiten digitalen Frühling in Salzburg!

Cornelia Anhaus,
Leitung digital spring festival

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